Historisches

 

Mit der urkundlichen Erwähnung im Jahre 1305 tritt Willmersreuth verhältnismäßig spät ins Licht der Geschichtsschreibung, als die Herren von der Plassenburg dem Kloster Langheim landwirtschaftliche Güter in „Wilhelmesreuthe“ übereigenen. Im Jahre 1415 hieß es von der Willmersreuther Kirche: „Sie ist und bleibt eine freieigenthümliche Kirche von dem hohen Haus von Künßberg zu Wernstein“. 1520 wird sie erstmals als „Wylmersreuth ecclesia“, zur Pfarrei Schwarzach gehörig erwähnt. Der Dreißigjährige Krieg und die Pest forderten um 1635 viele Opfer, die Hälfte aller Familien im Dorf starben aus. Des beschwerlichen Weges von Schwarzach und der fehlenden Sakristei wegen schuf der legendäre Pfarrer Volckhard 1737 in Willmersreuth die Einzelbeichte ab. 1789 wird festgestellt: „Die Kirche hat ihr eigen Seckel (Klingelsack) und Vorsteher.“ Zur Zeit Napleons musste 1806/07 der Ort 5 fl. 54 Kr. Kriegskontribution bezahlen. 1811 erhält der Zimmergesell Johann Jahreiß als Katechet (Nebenschullehrer) je Kind wöchentlich 1¼ Kreutzer und jährlich einen Laib Brot. 1845 besuchen 9 Knaben und 18 Mädchen die Werktags- und 4 Knaben und 10 Mädchen die Sonntagsschule.

Festlich geschmückt zum Erntedankfest präsentiert sich der alte Patronatstaufstein
und der Kanzelaltar der St. Andreaskirche.

Kirchenbücher und alte Rechnungen bestätigen, dass die kirchliche Gemeinde als eigenständige Körperschaft immer wieder ihre liebe Mühe mit dem Erhalt des historischen Gotteshauses hatte. 1987 fand man beim Montieren einer neuen Kirchturmspitze im Turmkopf eine Kupferbüchse mit alten Urkunden, chronologischen Aufzeichnungen und einem Geldbetrag von 1.179.666.858 Mark aus der Inflationszeit. Die von dem bekannten Kulmbacher Schriftenzeichner und Maßforscher Lorenz Reinhardt Spitzenpfeil gefertigten Urkunden und andere geschichtliche Hinweise wurden zusammen mit Münzen und Unterlagen aus unserer Zeit wieder in der Turmspitze hinterlegt. Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Gotteshaus mit seinem Umgriff wurden im Rahmen der Denkmalspflege und Ortsverschönerung in den Jahren 1964/65, 1986 und 1994/95 durchgeführt.

Die einst als Zuflucht genutzte Kirche mit ihrem wuchtigen Wehrturm und dem meterdicken Sandsteinbering bildet mit dem benachbarten Gasthaus zur Linde (seit über 300 Jahren im Besitz der Familie Schelhorn) und dem alten Dorfschulhaus schon von jeher den christlichen und kulturellen Mittelpunkt des beliebten Ausflugsortes im Mainleuser Land.

So sah der obere Dorfplatz mit dem Gasthof Schelhorn im Jahre 1954 aus, als der Gesangverein
anlässlich seines 50-jährigen Bestehens zum Festgottesdienst in die St. Andreaskirche einzog.